Ich bin Achim Treder; heute 63 Jahre alt. 1992 erlebte ich die ausländerfeindlichen Ausschreitungen in Lichtenhagen als Zeitungsreporter sehr direkt. Aus Gründen, die Ihnen beim Lesen nachfolgenden Textes nicht verborgen bleiben werden, möchte ich mich hier mit meinen Erinnerungen an damals und zu meinen Einschätzungen dieser schlimmsten Phase in der Nachkriegsgeschichte Rostocks äußern.

Ich stimme an dieser Stelle ausdrücklich NICHT zu, den nachfolgenden Text ohne schriftliche Einwilligung durch mich anderswo zu veröffentlichen oder ihn – in welcher Form und wo auch immer – öffentlich|in der Öffentlichkeit zu nutzen; auch nicht auszugsweise. Wer Interesse an einer Verwendung|Verwertung hat, den bitte ich, mich zu kontaktieren (achim@treder-net.de). Ich bitte alle, die den Text – auf welchem Wege auch immer – erhalten, damit verantwortungsbewusst umzugehen. Möglicherweise werde ich nach Nochmal-raufschauen und Ein-paar-Nächte-drüber-schlafen Änderungen vornehmen; ich denke jedoch – wenn überhaupt – vornehmlich im Bereich des Sprachlichen, weniger am Inhalt. Der Text wird zunächst im Internet verfügbar sein; nun also auch in gedruckter Form.


25 JAHRE NACH LICHTENHAGEN

Wir befinden uns im Jahr 2017. Heute, am Montag, den 21. August, startet in Rostock eine Gedenkwoche, die an die Ereignisse des Sommers 1992 erinnern soll. 25 Jahre nach Lichtenhagen. Damals geschah hier an der Warnow etwas für die meisten von uns bis dahin nicht Vorstellbares. Hunderte, teilweise sogar Tausende Rostocker versammelten sich an mehreren aufeinander folgenden Tagen vor dem Sonnenblumenhaus, um deutlich zu machen, dass sie nicht länger akzeptieren wollen, was sich in ihrem Stadtteil in den zurückliegenden Monaten entwickelt hatte. Den Frust und die Wut, die sich bei vielen Einwohnern aufgestaut hatte, schien in der Landes- und der Kommunalpolitik der Stadt sowie bei den zuständigen Behörden niemand zur Kenntnis nehmen zu wollen. So schlug das Ganze in Aggressivität um, die sich schließlich brutal gegen Ausländer entlud.

Mag der ein oder andere sagen: zu einfach formuliert. Verharmlosend. Doch bei Lichte betrachtet und ohne ideologische Denkschablonen zu bemühen, war es nicht mehr und nicht weniger als dies, was der Tragödie vorausging. Was sich daraus entwickelte, ist eine andere Sache; und bedarf meines Erachtens einer weit differenzierteren Sicht, insbesondere im Kontext mit den katastrophalen Verkettungen von Unerfahrenheit und Unfähigkeit auf der einen sowie anarchistischer und krimineller Energie auf der anderen Seite.


DER ORT DES GESCHEHENS

Ort des Geschehens waren im Wesentlichen die Außenflächen vor der damaligen Zentralen Aufnahmestelle für Asylbewerber (ZASt), die sich im Hochhaus mit dem markanten Sonnenblumen-Mosaik befand. Grund für Zorn und Wut war im Kern die Tatsache, dass die zuständigen Behörden den Ansturm von Flüchtlingen über Wochen und Monate nicht beherrschten und infolge dessen Hunderte Asylbewerber mitten im Wohngebiet im Freien campierten, ohne dass ihnen die hierfür notwendige Infrastruktur bereitgestellt wurde. Die Stadt schaffte es nicht, ihnen Zelte noch Toiletten zur Verfügung zu stellen. Asylbewerber suchten unter den Balkonen des unteren Geschosses und in Sträuchern Schutz. Schutz zum Schlafen, Schutz zur Verrichtung ihrer Notdurft.


BÜRGERINITIATIVE – EIN PHANTOM?

Im Namen einer Bürgerinitiative, die im Weiteren weitestgehend ein Phantom blieb, hatten Lichtenhäger Bürger bei örtlichen Medien, im Ortsamt Groß Klein-Lichtenhagen sowie bei verschiedenen anderen Gelegenheiten angekündigt, dass sich Lichtenhäger Anwohner der ZASt am Wochenende des 22./23. August 1992 zu lautstarken Protesten vor dem Sonnenblumenhaus treffen werden. Diesen Ankündigungen sind mehrfach auch Andeutungen auf gewalttätige Ausschreitungen hinzugefügt worden. Von „Rechten, die die Schnauze voll haben“ und Ähnlichem war die Rede.


VIER TAGE AUSNAHMEZUSTAND

Was sich dann zwischen dem 22. und 26. August 1992 vor dem Sonnenblumenhaus ereignete, war der Auftakt zu einer Serie von fremdenfeindlichen Ausschreitungen in mehreren deutschen Städten und hat dem Ansehen Rostocks vermutlich für alle Zeiten einen dunklen Schatten auferlegt. Ungezählte Funk- und Printmedien in aller Welt beschrieben und beschreiben im Zusammenhang mit den Ausschreitungen in Lichtenhagen die Stadt Rostock als ein Zentrum von rechter Gewalt und Fremdenfeindlichkeit. Wie der aktuelle Bürgermeister der Hansestadt erklärt haben soll, gebe es Gäste aus Amerika, die bei ihrem Besuch in Rostock, heute, 25 Jahre nach den Ereignissen, nach dem Friedhof fragen, auf dem die Opfer von Lichtenhagen liegen.


AUFARBEITUNG

In der vergangenen Woche bat mich ein Reporter der in Rostock ansässigen Ostsee-Zeitung um ein Interview. Ich selbst war 1992 bei dieser Zeitung als Lokalredakteur angestellt und im Reporterdienst für die Stadtteile Groß Klein und Lichtenhagen zuständig. Wie kein Zweiter der Pressemannschaft, habe ich Lichtenhagen gekannt. Ich habe in dem Stadtteil mehrere Jahre gewohnt und wohnte zum Zeitpunkt der Ereignisse im benachbarten Groß Klein. Der Reporter kündigte an, erfahren zu wollen, wie ich die Tage damals erlebt und in Erinnerung habe. Die Rolle und die Verantwortung der Medien seien für die Zeitung ein Thema in der geplanten Gedenkwoche.


THEMA WIRD BEREITS SEIT WOCHEN BEDIENT

Die Zeitung befasst sich bereits seit Wochen wieder mit diesem Thema; sie ist auch Partner für die Organisatoren verschiedener Gedenkveranstaltungen, die in der jetzt begonnenen Woche aus Anlass des 25 Jahrestages der Ausschreitungen 1992 stattfinden sollen. Podiumsdiskussionen, Enthüllungen von „Kunstobjekten“ an verschiedenen Orten in der Stadt. Eine ganze Woche lang. Wieder Lichtenhagen.

Im Pressehaus soll in dieser Woche eine Podiumsdiskussion zur Verantwortung der Medien stattfinden. Den Termin habe ich langfristig in meinem Kalender notiert. Ob ich die Veranstaltung besuchen werde, das weiß ich noch nicht. Denn inzwischen beschleicht mich der Verdacht, dass Lichtenhagen die vielen aktuellen Aufarbeiter in den unterschiedlichsten Gremien, Institutionen und Funktionen auch zu fragwürdigen Beobachtungsperspektiven verführt und dass irgendwann möglicherweise einmal auch das Thema „2017 – 25 Jahre nach Lichtenhagen“ aufgearbeitet werden muss. Möglicherweise kann dieser Text dann sogar hilfreich sein.


DAS INTERVIEW

Der Zeitungsreporter hat mich inzwischen besucht. Ein junger Mann, im Osten geboren und aufgewachsen, 1992 noch im Vorschulalter. Wir haben gut eineinhalb Stunden miteinander über Lichtenhagen 1992 gesprochen. Genug Zeit, um den Platz zu füllen, den er für seinen Beitrag zugewiesen bekommen wird. Zeit genug, um zu verstehen, wie ich damals tickte und mit der Aufgabe, über die Ereignisse zu berichten, umging? Wir werden sehen. Mein Vertrauen in die Zeitung ist nicht mehr das, was es einmal war. Ich bin skeptisch und gespannt.

Eigentlich wollte ich gar nichts mehr mit irgend einer Zeitung zu tun haben; denn ich habe mit dem Journalismus gebrochen (doch dies wäre eine andere Geschichte und hat mit Lichtenhagen nichts zu tun). Anderseits stellte ich mir aber die Frage, warum es unter den vielen Vorab-Beiträgen der Zeitung zur Gedenkwoche zwar auch so etwas wie den Versuch einer Aufarbeitung der Rolle der Medien gab – ganz maßgebliche Berichterstatter und Redakteure von damals jedoch (nach meiner Wahrnehmung) ganz offenkundig nicht befragt wurden. Diese Überlegung war für mich dann das Motiv, dem Interview zuzustimmen. „Nun also fragen sie doch“, dachte ich mir.

Ich werde jetzt aufschreiben, worüber es in dem eineinhalbstündigen Gespräch ging. Denn was auch immer in dem Zeitungsartikel zu lesen sein wird, der daraus entsteht – es wird nicht der Platz sein, um das Gespräch umfänglich zu verarbeiten. Mir persönlich half dieses Gespräch bei der Selbstreflektion, das will ich gern eingestehen.


EINGEBRANNTE BILDER UND VERBLASSENDE ERINNERUNGEN

Betroffen gemacht hatte mich in der Vorab-Berichterstattung vor allem ein Zeitungsbeitrag, in dem (sinngemäß) von verbalen Entgleisungen DES AUTORS in einem Artikel aus dem Jahr 1992 die Rede war – ein Beitrag, der kurz vor den Ereignissen erschien und der, wie andere meinen, ein Funke im Pulverfass war. Obwohl ich nicht DER Autor jenes Beitrages war und bin, habe ich mich angesprochen und verurteilt gefühlt. Die verbalen Entgleisungen waren Formulierungen in Zitaten (Zitaten in jenem Beitrag). Der Beitrag als solcher entstand zu einem großen Teil tatsächlich aus Informationen, die ich erlangt und mit in die Redaktion gebracht hatte.

Ich habe mich in all den Jahren schmerzhaft mit all dem, was geschah, was ich tat, immer und immer wieder auseinandergesetzt, versucht zu hinterfragen was gut und schlecht und falsch und richtig war, und was gewesen wäre, wenn...

Es gibt eine ganze Reihe von Episoden, die sich so fest in mein Gedächtnis eingebrannt haben, dass ich es wohl immer empfinden werde als sei das alles erst gestern geschehen. Andererseits habe ich aber – besonders jetzt, in dem aktuellen Interview – festgestellt, dass mir einiges von damals, insbesondere die richtige kleinteilig-chronologische Einordnung von Sachverhalten, nicht mehr ganz so leichtfällt. 25 Jahre sind vergangen. Trotz der Dramatik von damals – die Erinnerungen verblassen halt. Stammt dieses oder jenes Bild, das in meinem Kopf ist, aus der zweiten oder dritten Nacht der Krawalle? Geschah dies oder jenes bevor die Asylbewerber aus der ZASt evakuiert wurden – oder danach? Nicht zuletzt wegen dieser zunehmenden Unschärfe in den Erinnerungen schreibe ich dies jetzt alles auf.

Noch einmal möchte ich betonen, dass ich selbst über mehrere Jahre in Lichtenhagen gewohnt habe. 1976 bezogen meine Frau und ich eine Wohnung in einem der ersten Plattenbauten des Neubaugebietes, zwei Ecken neben dem Sonnenblumenhaus, das damals noch nicht stand. Wir waren überglücklich, jene Zwei-Raum-Wohnung bekommen zu haben. In dieser Wohnung erlebten auch unsere Tochter und unser Sohn ihre frühe Kindheit. Ich habe Lichtenhagen in jenen Jahren – und auch danach – als einen Stadtteil erlebt, in dem es keine Gewalt, kein aggressives Umfeld gab.


LICHTENHAGEN WAR IMMER INTERNATIONAL

In Lichtenhagen wohnten damals, zu DDR-Zeiten, sogar Bürger aus vielen anderen Staaten. Gastarbeiter. Das Düngemittelwerk bei Poppendorf, im Hafen, im Zusammenhang mit anderen Infrastruktur-Bauvorhaben waren immer auch ausländische Arbeiter eingesetzt. Aus skandinavischen, östlichen, westlichen, arabischen Ländern, Vietnamesen. Viele der Gastarbeiter – meist auf Zeit – bezogen als erste die so eben fertiggestellten Plattenbauten im Stadtteil. Ich behaupte sogar, dass die Lichtenhäger jene Rostocker waren, die in der ganzen Stadt im Zusammenleben mit Ausländern die meisten Erfahrungen hatten. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass es in jenen frühen Jahren irgendwann einmal Stress zwischen Lichtenhägern und Ausländern gab.


ZAST VERSCHAFFTE ROSTOCK VORTEILE

Gut vorstellen kann ich mir, dass diese Erfahrung (die nicht nur meine war) auch zur Entscheidung beitrug, die ZASt in diesem Stadtteil zu etablieren. Die ZASt in Rostock zu eröffnen, so habe ich in Erinnerung, war (anders als heute oft zu lesen) nicht einfach eine Entscheidung, die allein in Schwerin getroffen wurde. Ich weiß nicht, ob dies in allen anderen Bundesländern auch so gehandhabt wurde oder ob es ein Verhandlungsergebnis zwischen Rostock und Schwerin war – für die Hansestadt hatte die Eröffnung der ZASt in der Hansestadt den Vorteil (und den Charme), dass damit die Zahl der Asylbewerber bei der Zuteilung auf die Kreise und kreisfreien Städte des Landes (also jener, die nach der Erstaufnahme in der ZASt in die eigentlichen Asylbewerberheime eingewiesen wurden) für Rostock halbiert wurde. Gäbe es die ZASt nicht in Rostock, hätte die Stadt bei der Verteilung der Asylbewerber auf die Städte und Gemeinden doppelt so viele Asylbewerber (für einen weitaus längeren Verbleib) aufnehmen müssen. ZASt ist vor allem Verwaltung, dachten sich die Verantwortlichen offenkundig – und damit weniger belastend als eine Dauerbetreuung. Wie es zur Wahl der Unterbringung im Sonnenblumenhaus kam, erinnere ich nur noch so unscharf, so dass ich dies hier nicht weiter ausführen möchte. Die Erfahrungen der Lichtenhäger mit Ausländern mögen ein Argument von mehreren gewesen sein.


ZUSTÄNDE WAREN TABU-THEMA

Für uns als Zeitungsmitarbeiter war das Thema ZASt eines von vielen typischen Themen jener Zeit. Wir berichteten von der Einrichtung der Asylbewerberunterkunft, von den Entscheidungen auf dem Weg dorthin und von verwaltungstechnischen Dingen in diesem Zusammenhang. Die Zuspitzung der Situation vor dem Haus, die sich über mehr als einem Jahr kontinuierlich entwickelte (und verschärfte), nahmen wir nur punktuell zur Kenntnis und zu selten zum Anlass, darüber zu berichten. Im Grunde genommen ist damit wie mit einem Tabu-Thema umgegangen worden.


ANWOHNER SUCHTEN HILFE BEI DEN MEDIEN

Als sich die Zustände 1992 im Laufe des Jahres immer weiter verschlimmerten und sich die Konflikte im Ort immer mehr zuspitzten, erreichten die Lokalredaktion zunehmend Briefe und Anrufe von Anwohnern, die uns Zeitungsmitarbeiter aufforderten, darüber zu berichten und somit Druck auf die zuständigen Behörden auszuüben, damit sich etwas ändert. Mehrfach auch von Mitarbeitern der Kaufhalle, die von ständigen Diebstählen, dreisten Ungezogenheiten zwischen den Regalen und nicht leicht zu glaubendem Verhalten der Asylbewerber von der Wiese nebenan berichteten.


HEUTE WISSEN ES VIELE BESSER

Ob es eine Anweisung aus der damaligen Chefredaktion gab, vermag ich nicht zu sagen; Fakt jedoch ist, dass diese Bürgerhinweise und -forderungen von uns (zumindest was die gewünschte drastische Darstellung und Kleinteiligkeit betraf) quasi als Tabu-Thema behandelt wurden. Wir, die Kollegen in der Lokalredaktion, haben oft darüber diskutiert, wie wir damit umgehen sollten. Das alles aufzuschreiben, was uns an Schilderungen erreichte und zu veröffentlichen – dazu konnte sich jedoch keiner durchringen. Es klang oft so weltfremd, zum Teil unterirdisch vulgär und vermeintlich meist auch von Fremdenfeindlichkeit getragen. Jeder zaghafte Versuch, doch etwas in dieser Richtung zu veröffentlichen, wurde auch von der Redaktionsleitung abgeblockt. Beiträge, wie es einen am 8. August 1992 (Interview mit Innensenator) gegeben hatte und in dem die Situation deutlich skizziert wurde, waren die Ausnahme.

Heute wissen es viele besser. Sicher hätten wir unser journalistisches Augenmerk viel stärker auf das Versagen der Behörden und das der Politik richten müssen. Wir wussten es nicht besser, waren verunsichert. Wie mit all dem umgehen? Wir waren unerfahren. Und ich kann mich auch nicht daran erinnern, dass uns die vermeintlich Erfahreneren aus dem Westen (von denen es durchaus einige als Fachberater an unserer Seite gab) in irgend einer Weise (methodisch, konzeptionell) unterstützt hätten. Und ganz so ist es auch nicht; dass die Zeitung sich in Sachen „Verantwortung der Politik“ weggeduckt hätte. Ein dreispaltiger Beitrag „Lichtenhagen erlebt die Ohnmacht der Politiker gegenüber Asylproblem“ zwei Wochen vor den Ausschreitungen hat – möglicherweise nicht mit den richtigen Worten, jedoch in der dringlichen Notwendigkeit – die Situation deutlich und komplex skizziert. Für manch einen heute vielleicht nicht besserwisserisch genug. Aber von wem durfte man denn damals erwarten, es wirklich am besten zu wissen? Wirklich von den Journalisten? Auch wenn diese oft von einem unsäglichen Selbstbewusstsein beseelt sind – sie müssen nicht zwangsläufig klüger sein als alle anderen. Es bleibt: Wir haben vieles falsch, zumindest aber nicht gut gemacht. Heute wissen auch wir vieles besser.

Als Lichtenhagen-Zuständiger fühlte ich mich in dieser Situation also nicht sonderlich wohl. Auf der einen Seite sah ich wöchentlich mindestens einmal, wie sich das Leben auf der Wiese vor dem Sonnenblumenhaus entwickelte. Davor die Augen zu verschließen, war gar nicht möglich. Auf der anderen Seite spürte ich in jedem Gespräch, das ich im Ortsteil führte, dass eine drückende Spannung in der Luft lag; dass die Leute uns gegenüber Erwartungen hatten, die wir nicht erfüllen konnten – oder wollten.


HILFERUFE RICHTUNG RATHAUS BLIEBEN UNGEHÖRT

In der Woche vor den Ereignissen hatte ich eine Verabredung im zuständigen Ortsamt, welches sich damals in Groß Klein befand. Ich war mit dem Leiter verabredet; so, wie jede Woche einmal, um zu hören, was es an Neuigkeiten in seinem Zuständigkeitsbereich gibt. Ich betrat das Büro in einem Augenblick, als die Stellvertreterin des Ortsamtsleiters sehr erregt telefonierte. Mir blieb es nicht verborgen, dass ihr Gegenüber am anderen Ende der Leitung jemand aus dem Innensenatsbereichs der Stadtverwaltung sein musste und dass es in diesem Telefonat um die Situation in Lichtenhagen ging. Die Mitarbeiterin winkte mich hinein, forderte mich auf, mich zu setzen, und so wurde ich – quasi unfreiwillig – Ohrenzeuge des Hilferufes aus dem Ortsamt ins Rostocker Rathaus. Immer wieder verwies die Frau auf Ankündigungen einer Protestveranstaltung am Wochenende, zu der sich die Einwohner Lichtenhagens vor dem Sonnenblumenhaus versammeln wollten. Nach Beendigung des Telefonats sprachen wir ausführlich über den Inhalt dieses Telefongespräches und über die Situation als solche. Auch die Ortsamtsmitarbeiterin sah sich allein gelassen und beklagte sich über die Zuständigen im Rathaus.


VORAUSSAGE DER KRAWALLE

Im Anschluss an diesem Treffen im Ortsamt begab ich mich über die Fußgängerbrücke nach Lichtenhagen. Im Kiosk „Happi, Happi bei Api“ neben der Kaufhalle vor dem Sonnenblumenhaus wollte ich einen Kaffee trinken und|oder etwas essen. Neben dem Wirt befanden sich drei junge Männer in diesem Kiosk, der auch einen winzigen Gäste-Innenbereich hatte (oder mit einem temporären Wetterschutz eingekleidet war). Als ich mich vorgestellt hatte, bin ich zunächst beschimpft worden. Ich fühlte erneut, dass sich so etwas wie eine Antistimmung gegenüber den Medien im Allgemeinen – oder aber gegen die Zeitung, die ich für diese Männer offenbar vertrat, im Speziellen breitgemacht hatte. Als ich das Gespräch auf die Situation vor der ZASt gelenkt hatte und fragte, ob ich richtig informiert sei, dass es am Wochenende eine Demonstration geben soll, bekam ich zur Antwort, es hätten sich „Rechte angekündigt, die dort Ordnung schaffen“ wollten und dass die Anwohner diese unterstützen wollten. Der Gesprächspartner beschrieb dies sehr euphorisch. Auch von dieser Phantom-Bürgerinitiative war hierbei die Rede. Ich erinnere mich noch an den Satz mit einer entsprechenden deutlichen Geste: „Du wirst es erleben: die Leute da drüben werden an ihren Fenstern hängen und Beifall klatschen.“ Er zeigte auf die Südseite der Güstrower Straße.

War ich nach dem Gespräch im Ortsamt bereits innerlich sehr aufgewühlt, so hat mir diese Vorhersage Angst eingeflößt. Mit diesen Eindrücken begab ich mich in die Redaktion, wo ich berichtete, was ich erlebt hatte.


RIEF EIN ZEITUNGSBEITRAG DIE GEISTER?

Ein Kollege, der am selben Tag mit einem Anrufer über eben dieses Thema gesprochen und ebenso von der beabsichtigten Demonstration gehört hatte, pochte darauf, dass darüber geschrieben wird. Mir ist angeboten|aufgetragen worden, einen größeren Artikel (ich glaub, einen Dreispalter) zu verfassen, was ich auch tat – gemeinsam mit dem Kollegen, der den Anruf entgegen genommen hatte. Als der Beitrag grob fertig war, so erinnere ich mich, kam eine Kollegin mit einem Exemplar der zweiten in Rostock erscheinenden Tageszeitung in der Hand und fragte: „Habt ihr das überhaupt schon gesehen? Die NNN hat heute eine Geschichte dazu im Blatt.“

Ich weiß nicht mehr, ob dies der Grund dafür war, dass der Platz, den wir mit dem Thema in der Zeitung füllen sollten, plötzlich auf einen kleinen Zweispalter schrumpfte – oder war es doch der Respekt bzw. die Angst vor dem Thema? Zudem ziemte es sich nicht, als größte Tageszeitung im Ort ein Thema, eine Geschichte, die der kleinere Konkurrent bereits veröffentlicht hatte, am Tag darauf „nachzudrehen“. Jedenfalls ist der Text dann ohne mein dazutun „eingedampft“ (stark gekürzt) worden. Ich erinnere mich nur noch, dass ich für ein Zitat eines Verantwortlichen aus dem Rathaus gestritten – und mich geärgert habe, dass dieses der Reduzierung des Umfanges zum Opfer fiel, bzw. verknappt sowie in seiner Aussagekraft erheblich gekürzt und entschärft wurde. Ich hatte nämlich telefonisch nachgefragt, ob die Stadt die Absicht der Lichtenhäger zu demonstrieren, kenne, ob der Protest angemeldet sei und ob die Stadt darauf vorbereitet ist. Als Antwort darauf bekam ich zunächst lediglich zu hören, dass dies allein Polizeisache sei und: „Ich hoffe nur, dass die Polizei die NNN gelesen hat.“ Ganz offenbar aber, so hatte ich dann den Eindruck, hatte mein Nachfragen etwas ausgelöst. Denn nach mehrfachem Nachhaken und Bemerkungen meinerseits (in der Art „das ist doch nicht Ihr Ernst“ ... „ist das wirklich alles, was Sie tun wollen?“) bekam ich die Zusage, dass es eine Abstimmung mit der Polizei geben werde.

Ich glaube, dass in dieser Kommunikation der Kern der gesamten Misere von damals deutlich wurde. Fehleinschätzungen, Fehlen von Verantwortungsbewusstsein, Unfähigkeit. Ohnmacht. Nicht des Einzelnen, sondern der gesamten Riege. Die heute anklagen – sicher waren sie irgendwo auf dem Plan. Ich habe sie in den schlimmen Stunden allerdings nicht gesehen.

Ich fühle mich also nicht als DER Autor jenes Beitrages – jedoch ist mir klar, dass ich ein hohes Maß an Inhalt zu diesem am Ende kurzen Artikel beigetragen habe. Und als dann Wirklichkeit wurde, was in diesem kleinen Text vorausgesagt worden war, kam mir natürlich auch die Frage nach Verantwortung oder Mitverantwortung in den Sinn. Hat dieser Beitrag die Geister gerufen? Oder dazu beigetragen? Wäre die Entwicklung in Lichtenhagen ohne diesen Beitrag anders verlaufen?


VERIRRTE, VERWIRRTE, DURCHGEKNALLTE, EXTREMISTEN – UND „NORMALE“ NACHBARN

Was dann am folgenden Wochenende – und an den Tagen danach – in Lichtenhagen stattfand, hätte ich bis dahin nie für möglich gehalten. Mir ist durchaus klar, dass es im Grunde in jedem Ort, erst recht, wenn er so groß ist wie Lichtenhagen (damals rund 20000 Einwohner), auch Gewaltbereite, Extremisten, Verirrte, Verwirrte, Durchgeknallte usw. gibt; solche, die für Chaos sorgen können. Dass sich aber so viele vermeintlich ganz normale Zeitgenossen mit Krakelern und Randalesuchenden solidarisieren, verbünden und mitmachten, das hätte ich ausgeschlossen.


BÜRGERKRIEGSÄHNLICHE ZUSTÄNDE

Allenfalls rechnete ich mit drei, vier Hände voll Stimmungsmachern. Aber die Menschenansammlungen und die von Hass getragene Stimmung nahmen so schnell Fahrt auf, entwickelten unversehens eine Eigendynamik, die mich dann an Bilder von Bürgerkriegen erinnerten, wie ich sie bis dahin nur aus dem Fernsehen kannte. Und als Steine flogen und sogar Polizisten angegriffen und verprügelt wurden, hatte ich Angst um Leib und Leben. Angst um mich und alle anderen in der Menschenmenge. Ich glaube, es war die dritte Nacht, als der Mob (so bezeichne ich – mit Nachdruck – nur den extrem harten Kern der Gewalttätigen) die Güstrower, die Euthiner und die Husumer Straße entlang zog und eine Feuerspur des Schreckens hinter sich ließ. Krieg ist sicher eine ganz andere Kategorie, doch an dieser Stelle wähnte ich mich im Krieg. Alles um mich herum war unwirklich. Ich habe mich gefragt: Was hast du hier eigentlich zu suchen? Wie kommst du hier unversehrt heraus? Dutzende Müllcontainer waren von der tobenden Meute umgekippt, der Inhalt auf Straßen und Gehwegen verteilt, und dies alles brannte; auch Autos und Sperrmüll. Flammen und Rauchschwaden zogen durch die Dunkelheit. Die Walze der Verwüstung rollte, als würden die Polizeiformationen und Wasserwerfer alles vor sich herschieben. Die aufgebrachte Meute zog randalierend und brandschatzend durch Lichtenhagen, Polizei und Feuerwehr langsam hinterher. Ich hatte das Gefühl, die ganze Gesellschaft gerät aus den Fugen.


LICHTENHAGEN-TRAUMA

Ich glaube diese Nacht war es, die bei mir das Lichtenhagen-Trauma ausgelöst hat, von dem ich mich bis heute nicht erholt habe. Zwar habe ich keine schlaflosen Nächte und schlimmen Träume, doch immer wenn ich daran denke, insbesondere auch, wenn ich am Sonnenblumenhaus vorbeifahre, falle ich in ein oft schmerzendes Stimmungstief – Bilder von damals sind schnell wieder da und lassen mich dann eine Zeitlang nicht los.

Natürlich empfand auch ich die brennende Fassade des Hochhauses sowie den Vandalismus, der in die Wohnungen und Unterkünfte getragen wurde, als das Dramatischste und Widerlichste der vier Tage. An jenem Abend hatten sich in Groß Klein, dem benachbarten Stadtteil, zunächst rechte und linke Jugendliche angefeindet gegenüber gestanden. Auch diese Spannung drohte zu eskalieren. Es gab also durchaus Widerstand während der Krawalle. Ich hatte davon erfahren, war über die Fußgängerbrücke hinüber nach Groß Klein zu einem der rivalisierenden Jugendklubs gegangen. Die ZASt in Lichtenhagen war inzwischen leergezogen, die Asylbewerber anderswo untergebracht. Doch damit wollten sich die wütenden Krakeeler, die sich noch davor aufhielten, nicht zufrieden geben. Inzwischen hatten sie sich die Vietnamesen, die im Hochhausaufgang neben der ZASt wohnten, als Ersatzfeinde auserkoren. Auf der Wiese hatten sich am Nachmittag zum Schutz des Hauses Dutzende bewaffnete und beschildete Polizisten aufgereiht. Der Brennpunkt in dieser frühen Abendstunde schien für mich jedoch Groß Klein zu sein.


FATALE FEHLEINSCHÄTZUNG DER POLIZEI

Aber irgendwie drang plötzlich von Lichtenhagen nach Groß Klein zu mir herüber, dass sich erneut etwas zusammenbraue. Über die Fußgängerbrücke begab ich mich wieder in Richtung Lichtenhagen, wurde jedoch auf Lichtenhäger Seite von Polizisten abgefangen, die mich nicht weiterlassen wollten. Ich wies mich als Zeitungsreporter aus und unterhielt mich daraufhin mit dem Polizeigruppenführer (oder wie sich so einer nennt, der für eine kleine Gruppe zuständig ist) etwas ausführlicher. Während dieser Unterhaltung beobachtete ich reges Treiben und helle Aufregung vor der ZASt. „Wo sind die Polizisten hin?“, wollte ich wissen. „Die Asylbewerber sind weg, das Haus ist leer“, sagte der Polizist. „Wir warten ab bis auch die letzten ihren Frust abreagiert haben, und dann ist gut.“


SONNENBLUMENHAUS IN FLAMMEN

Wie sich kurze Zeit später herausstellte, war dies eine der fatalsten Fehleinschätzungen. Denn plötzlich flogen Molotow-Cocktails, und Teile der Hochhausfassade standen in Flammen. Aufgeputschte und völlig enthemmte Jugendliche kletterten über Balkone, schlugen Scheiben ein und drangen in die Unterkünfte der Asylbewerber – und auch in die Wohnungen der Vietnamesen. Diese konnten sich glücklicherweise – durch mehrere Zufälle unterstützt – über das Dach des Hochhauses in Sicherheit bringen. 150 Frauen, Kinder und Männer.

Es war nicht zu glauben. Der Anlass des aufgestauten Frustes war beseitigt. Die Asylbewerber längst in Sicherheit gebracht, also außer Reichweite. Doch die Gewalt nahm kein Ende.


KIDS ÖFFNETEN VENTIL UND BEKAMEN ES NICHT MEHR ZU

Monate später habe ich mit Jugendlichen aus dem unmittelbaren Umfeld der Randalierer gesprochen. Sie haben erzählt, dass sich deren Aggression gegen alles Mögliche gerichtet hatte. Die Asylbewerber waren nur ein Motiv von vielen; wenngleich auch jenes, das sie stets und überdeutlich vor Augen hatten. Entfesselte Action habe geholfen, Gefühlsstaus abzubauen. Die jugendlichen Täter öffneten ein Ventil, dass sie nicht mehr geschlossen bekamen, wurden von erwachsenen Gaffern angefeuert und von (zum großen Teil angereisten) Nazis unterstützt. Ich empfinde es aber als zu kurz gegriffen, will man (wie oft zu hören oder zu lesen) die sozialen Probleme der Zeit als Erklärung für das alles heranziehen. Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit. Das gab es mehr oder weniger in allen Rostocker Stadtteilen, eigentlich überall. In meiner Erinnerung war damals Schmarl der Stadtteil Rostocks mit den größten sozialen Spannungen.


STARKER FILM MIT STARKEM MANGEL

Der Film „Wir sind jung. Wir sind stark.“ aus dem Jahr 2014, so meine ich, reflektiert die Situation, die Geschehnisse und die Ursachen recht qualifiziert. „Dicht dran an der Wahrheit“, um mal Udo Lindenbergs Worte zu strapazieren, mit denen er das Musical „Hinterm Horizont“ kommentierte. Was mich an diesem Film jedoch stört ist, dass der Gewalt-Import (Neonazis aus ganz Deutschland) keine tragende Rolle spielt. Dass der Stadtteil im Film baulich weit verlotterter dargestellt wird, als er es jemals war, sehe ich den Machern insofern nach, da eine Westbrille den Osten immer grauer sieht als er ohnehin ist.


HINTERHÖFE FÜR POLIZISTEN FREMDES TERRITORIUM

Was den Gewalt-Import jedoch betrifft, so hat auch dieser bei mir große Ängste hinterlassen. Vor allem die Frage, was da noch so alles in den Ritzen, im Verborgenen kreucht und fleucht. Ich war an den Tagen von Lichtenhagen 1992 täglich mehr als nur acht Stunden im Einsatz, zu einem Großteil vor Ort. Habe mich auch in den Nebenstraßen umgeschaut, nicht zuletzt, weil sie für Krakeeler immer zu Rückzugsräumen wurden. Die verschachtelte Hinterhofarchitektur des Plattenbauviertels war ein ideales Rückzugfeld für die Chaoten. Jagten Polizisten eine Bande, verschwand diese schnell in Nebenstraßen oder durch die sogenannten Hausdurchgänge hindurch und dann im Schutze der Dunkelheit auf den Innenhöfen in den Hauseingängen, die damals weitestgehend noch für jedermann offen und frei zugänglich waren. Die Polizisten waren meist ortsunkundig – und damit schnell abgehängt.


ORGANISIERTER GEWALT-IMPORT

Ich glaube, es war am zweiten oder dritten Abend, als ich mich in Richtung Schleswiger Straße begeben hatte. Aus sicherer Distanz beobachtete ich auf einem Parkplatz am Rande der Stadt so etwas wie eine Rekrutierungsszene. Es fuhren unentwegt Autos mit fremden Kennzeichen vor. Die Szenerie war auffällig. Springerstiefel, das Äußere vieler anreisender Männer militant. Auf dem Parkplatz zwei Herren, bei denen sich die Anreisenden meldeten, und die diese ganz offenbar auf einer Liste abhakten und in die Örtlichkeit einwiesen. Das alles hatte für mich etwas von einem hohen Grad an Organisation.


NAZI-AUFMARSCH

Eine Stunde später marschierte eine paramilitärische Formation in Zugstärke (ich weiß nicht mehr, waren es dreißig, vierzig, fünfzig Männer?) militärisch exakt und Angst einflößend, dabei Naziparolen grölend und immer wieder die Hände zum Hitlergruß ausstreckend die Güstrower Straße entlang. Das Ganze, soweit ich mich erinnere, mindestens zwei-, ich meine sogar dreimal. Bis die Polizei dem Spuk endlich ein Ende bereitete. Dieser Szenerie drei Minuten gewidmet, und der Film „Wir sind jung. Wir sind stark.“ wäre der Wirklichkeit noch ein maßgebliches Stück nähergekommen. Denn diese Bilder waren für mich ein Sinnbild dessen, was den kleinen Unterschied zwischen „Frust und Mob“ und „Nazis von Lichtenhagen“ ausmachte.

Die „Nazis von Lichtenhagen“ waren für Medien aus aller Welt dann fast immer ein ganz zentraler Baustein in ihren Berichterstattungen. Dass es sich vor allem um Zugereiste handelte, ließen die meisten Reporter gern großzügig unter den Tisch fallen. Sowohl in der Berichterstattung während und unmittelbar nach den Ausschreitungen als auch noch Monate danach suchten Mitarbeiter von Print- und Funk-Redaktionen aus ganz Deutschland und aus aller Welt in Lichtenhagen nach den Spuren der Krawalle – und nach den „Nazis von Lichtenhagen“.

Während der Krawall-Tage reisten immer mehr Journalisten und Fernseh-Teams in Lichtenhagen an. Das Dach der Kaufhalle vor dem Sonnenblumenhaus war, ich glaube, es war der dritte Abend, so voll, dass die Betreiber Angst hatten, es könnte einbrechen. Wohl mehr als Hundert Leute standen teilweise da oben.


WIDERLICHE AUSWÜCHSE

Bilder, die fast jeder kennt, der sich für die Ereignisse interessiert. Nazis heben auf der ZASt-Wiese ihre Hand zum Hitlergruß, in Richtung Kamera. Es gibt davon mehrere, und es gibt auch die Geschichte, in der erzählt wird, dass angetrunkene junge Männer von Journalisten für derartige Posen rekrutiert und bezahlt wurden. Dass dies so war, kann ich nicht bezeugen. Bezeugen will ich jedoch, dass sich in meiner unmittelbaren Nähe eine Szene abgespielt hat, in der mehrere Reporter mit angetrunkenen Männern ganz offensichtlich verhandelten, sie diese schließlich positionierten und dass die Angetrunkenen den Kameras zugewandt den Hitlergruß „ablieferten“.

Ebenso widerlich ist für mich die Erinnerung an zwei hastig aufgestellte Verkaufsstände für Bier und Bratwurst am Rande der großen Wiese. Irgendwelche kranke Seelen hatten sich eine „Geschäftsidee“ ersponnen und wohl gehofft, aus den Krawallen ordentlich Kapital zu schlagen. Eine dieser beiden Verkaufsstellen ist an mindestens zwei Tagen in Betrieb gewesen, bis sich die Polizei (oder wer auch immer) dafür zuständig fühlte, dieser Perversität ein Ende zu bereiten.


VERPASSTE STORY

Mir kam es später so vor, als würden sich viele Medien und viele (insbesondere freie) Journalisten heftigst darüber ärgern, nicht dabei gewesen zu sein, nicht unmittelbar berichtet zu haben. Sie ärgerten sich, so mein Eindruck, über eine verpasste Story. Bei der Zeitung, für die ich arbeitete, klingelte immer wieder das Telefon, und Kollegen von außerhalb baten um Informationen und darum, dass ihnen Veröffentlichungen zum Thema als Hintergrundmaterial zur Verfügung gestellt werde.


BEGLEITETER SENSATIONSTOURISMUS

Die damalige Leitung des Presse-Hauses zeigte sich gegenüber solchen Ansinnen äußerst kooperativ. In der Lokalredaktion existierte ein dicker Aktenordner, in dem alles Mögliche zum Thema, inklusive der Veröffentlichungen des Blattes, zusammengetragen worden war. Dass wir einen Gastkollegen bei uns in der Redaktion zu sitzen hatten, der in diesem Ordner blätterte, erschien mir bald nicht mehr als Ausnahme, sondern eher als Regel. Ein Bild, an das wir uns gewöhnt hatten. Mehrmals bin ich Journalistenkollegen von außerhalb an die Seite gestellt worden, um sie zum Ort des Geschehens zu begleiten und um ihnen Hintergrundinformationen zu liefern. Zunächst fand ich diese meine Rolle in Ordnung, hatte ich doch so auch die Möglichkeit, meine differenzierende Sicht einzubringen. Ich begleitete unter anderem Fernsehteams aus Frankreich und den Niederlanden. Mehrfach gab ich Rundfunkinterviews. Was aus all dem gemacht wurde, was ich durch meine Unterstützung beisteuerte, erfuhr ich in der Regel nicht.


VERGEWALTIGUNG IM RADIO

Dieser Begleiterrolle wurde ich jedoch müde, als mir klar wurde, wie plakativ das Thema Lichtenhagen von den meisten Kollegen aufgesogen wurde. Schluss war für mich dann, nachdem ich per Zufall selbst ein Radiointerview gehört habe, das ein in Berlin ansässiger Sender mit mir zuvor gemacht hatte. Bis zu jenem Zeitpunkt war ich voll und ganz der Ansicht, dass es zwar im Zeitungsjournalismus durchaus (zumindest theoretisch) möglich wäre, eine Geschichte so hinzudrehen, wie der Schreiber (oder dessen Vorgesetzter bzw. ein sogenannter End-Redakteur) es gern haben würde. Nicht aber in Funkmedien, dachte ich. Ton- und Bildaufzeichnungen sind nun mal authentisch. Da wird es schwer sein, einen Interview-Partner zu „vergewaltigen“.

Doch weit gefehlt. Ich hörte mich auf Fragen antworten, die mir so nie gestellt worden waren. Am Ende erklärte ich völligen Unsinn; an Dingen, die mir am Herzen lagen, beging ich Verrat – wenn man das gesendete Interview als „tatsächlich so aufgenommen“ ansieht. Ich schwor mir: Nie wieder ein Interview fürs Radio. Und auch den Begleiter-Job lehnte ich fortan ab. Ich erklärte: „Ich stehe dafür nicht mehr zur Verfügung“, und dies wurde glücklicherweise in der Redaktion respektiert. Das änderte jedoch nichts am Interesse von Redaktionen in der Ferne. Eine Konzentration derartiger Anfragen gab es dann zum ersten Jahrestag der Ereignisse – und zu weiteren Jahrestagen.


EREIGNISSE GEHÖREN INS GESCHICHTSBUCH

Die Ereignisse von Lichtenhagen 1992 sind durch nichts zu rechtfertigen. Und damit mich niemand falsch versteht: Ich bin dagegen, sie zu verharmlosen oder gar totzuschweigen. Und ich bin sehr dafür, dass dies alles aufgearbeitet wird, damit sich so etwas nicht wiederholt. Und selbstverständlich gehören die Informationen in die Geschichtsbücher. Wogegen ich mich jedoch wehre, ist, dies alles auf die vereinfachte Formel zu bringen: „Rostock ist ein Hort des Rechtsradikalismus. Lichtenhagen 1992 ist eine Ausgeburt dessen. Die Welt muss ein Auge auf Rostock haben.“

Für meinen Geschmack wird der Blick zurück oft allzu sehr verzerrt. Die Schlimmen sind die Lichtenhäger. Ostdeutsche Unerfahrenheit mit Fremden, ja. Das passt gerade noch. Nazis aus dem Westen, die das Chaos für sich nutzten – das schon weniger.


IN ROSTOCK NAZI-GESCHICHTEN AUFSPÜREN

Dass die Welt – in Form von storyhungrigen Journalisten – ein Auge auf die Stadt an der Warnow warf, das fand in der Folge die skurrilsten Auswüchse. In den 90er Jahren wurden nach und nach junge Journalistenkollegen nach Rostock delegiert. Um Erfahrungen zu sammeln. Um sich zu bewähren. Sie arbeiteten in der Regel zuvor bei einem schleswig-holsteinischen Partnerunternehmen als freie Journalisten und sollten mal ein anderes Umfeld, einen anderen Verlag kennenlernen. Mehr als nur in einem Fall gehörte zu den ersten Themen, derer sich diese jungen Kollegen annehmen wollten, die Suche nach den Rostocker Nazis – auf den Spuren jener von Lichtenhagen sozusagen.

Auch hier bitte nicht falsch verstehen: Ja, unter den vielen Subkulturen, in denen sich junge Rostocker bewegen, gab es (und gibt es sicher auch heute noch) solche, in denen rechtes Gedankengut eine prägende Rolle spielt. Wie in Lübeck, Hamburg, Berlin, Dresden und sicher in mehr oder weniger allen Städten auch. Darauf, dass sich Rostock dem, was hieraus erwachsen kann, immer wieder neu und erfolgreich entgegen stellt, darauf bin ich stolz. Glücklicherweise hat sich – insbesondere auch nach Lichtenhagen 1992 – in Rostock eine Szene entwickelt, die auf breiter Basis die Werte der Demokratie verteidigt – gegen Gewalt von rechts wie von links.


BLIND AUF LINKEM AUGE

Apropos Gewalt von links. Ich möchte in diesem Beitrag nicht das Friedensfest aussparen, das im Anschluss an die Krawalle 1992 in Lichtenhagen organisiert wurde. Dieses Fest vor dem Sonnenblumenhaus habe ich privat besucht; wenngleich auch hier – wie damals quasi immer – mit der Kamera. Das bunte Fest zu sehen, tat mir gut und gab mir Hoffnung, dass dieser Spuk tatsächlich vorbei sein würde. Von Lichtenhagen aus machte sich ein Demonstrationszug auf den Weg durch den Stadtteil, weiter nach Lütten Klein, dort die zentralen Straßen entlang und zurück nach Lichtenhagen. Ich holte meine damals 14-jährige Tochter, um ihr dieses positive Bild zu zeigen, stand mit ihr am Straßenrand der Rigaer Straße von Lütten Klein.


TUNTEN GEGEN DEUTSCHLAND

Bunt, zum Teil skurril, auf jeden Fall aber lebensbejahend und friedvoll das allgemeine Bild, das wir wahrnahmen. Wenn ich mir heute die Fotos anschaue und (unter anderem) Transparent-Losungen wie „Freiheit für Erich Honecker“, „Tunten gegen Deutschland“ oder „Nur tote Arier sind gute Arier“ darauf sehe, dann kommen mir jedoch so meine Gedanken. Dass das Friedensfest in den Medien ausschließlich, auch überregional, positiv bewertet und reflektiert wurde, war meines Erachtens in zeitlicher Nähe zum Ereignis in Ordnung. Doch so friedlich wie es in großem Einvernehmen zwischen den Berichterstattern und deren Medien dargestellt wurde, war es nicht in seiner Gänze.


SCHWARZER BLOCK ZEIGTE SICH DAMALS SCHON

Auch damals gab es bereits den so genannten Schwarzen Block, der mitmarschierte. In der Rigaer Straße wurden damals gerade die Wohnblöcke saniert. Auf den Baugerüsten standen Schaulustige, vermutlich Bewohner dieser Häuser. Sie wurden von vielen Demonstranten mit den Beifall spendenden Lichtenhägern gleichgesetzt und ausgebuht. Vermutlich auf Kommando – oder nach Absprache – löste sich der Schwarze Block plötzlich zu einem Großteil auf. Vermummte bewaffneten sich mit Pflastersteinen vom Gehweg und bewarfen damit die Menschen auf den Baugerüsten. Meine Tochter und ich, wir hatten – wie andere auch – Angst und suchten das Weite.

Mich beschleicht der Gedanke, dass dies der selbe Geist war, der auch zu den Ausschreitungen in Hamburg zum G-20-Gipfel in diesem Jahr führte. Alles sicher eine Nummer kleiner, im Ausmaß nicht vergleichbar. Ich wollte diese meine Beobachtung damals als Thema für die Zeitung mit einbringen. Doch es wollte im Hause niemand hören. Ich denke, auf dem linken Auge blind zu sein, ist in der Summe nicht besser als auf dem rechten. Später war lediglich zu hören und zu lesen, dass es am Rande der Friedensdemo Festnahmen gab.

Die Verantwortung der Medien diesbezüglich sehe ich ganz offenbar anders als Entscheidungsträger der Branche damals und heute. Der überwiegende Teil der Kollegen, die ich kenne, kam und kommt aus irgend einem linken Milieu (Freundeskreis; Jugendorganisation; Denkschule; Ideologie). Doch fast jeder, der sich (oder andere) links verortet, meint mit Links etwas anderes. Mein Herz zum Beispiel schlägt im Zweifelsfall immer links! Was aber nicht bedeutet, dass ich deshalb automatisch mein Kreuz bei der Linken oder der SPD mache. Als Links haben sich auch RAF und Stalin gesehen. Mein Begriff „Links“ korrespondiert nicht mit dem, was jene darunter verstanden.


VORWÜRFE IN RICHTUNG POLIZEI

Ich denke, auch die massiven Vorwürfe gegen die Polizei sind in der Absolutheit, in der sie oft zu hören sind, fehlangebracht. Die Polizei in Ostdeutschland war 1992 noch immer im Aufbau begriffen. Personell, materiell und auch einsatzmethodisch alles andere als auf das, was geschah, vorbereitet. Lange Zeit war ich sauer auf eine Polizistengruppe, die sich mich während der Ereignisse von Lichtenhagen als Reporter ausgeguckt hatte, mich dann in einen Kreis (aus uniformierten Männern) lockte, in dem die Polizisten mit mir ein sehr Angst einflößendes Spiel spielten. Sie stießen mich in diesem Kreis hin und her, hatten augenscheinlich Spaß daran. Warum ich? Ich weiß es nicht. Sie werden sich durch etwas Konkretes oder durch die Presse im Allgemeinen genervt oder provoziert gefühlt haben. Es waren junge Polizisten, ich denke von der Bereitschaftspolizei MV oder aus Hamburg. Da war auch ein gewisses Maß an Aggressivität und Übermut im Spiel. Ich sehe es ihnen heute nach.

Ungeachtet dessen und auch ungeachtet der Tatsache, dass der damalige Rostocker Polizei-Chef während der heißen Phase und während das Haus brannte, nach Hause musste, um sein Hemd zu wechseln (so jedenfalls ist es überliefert), auch ungeachtet der zuvor beschriebenen fatalen Fehleinschätzung, haben die Beamten, die damals im Einsatz waren, besonders im Rückblick meine Hochachtung.


ZEITUNGSBEITRAG AKZEPTIERT

Heute ist Dienstag, der 22. August. Der Beitrag ist heute in der Zeitung. Ich will hier hervorheben, dass ich der Meinung bin, im Journalismus kann man vieles tun und vieles lassen, was zur Reflektion eines Sachverhaltes beiträgt. Nicht jeder Sachverhalt ist zwingend eine Nachricht. Man kann eine Geschichte so aufschreiben oder so. Oder es lassen. Eines würde ich mir jedoch wünschen. Was veröffentlicht wird, sollte qualifiziert erarbeitet und aufgeschrieben sein. Auch wenn ich zum Thema „Rolle und Verantwortung der Medien“ (mit diesem Anspruch hatte sich jener junge Kollege bei mir angemeldet) etwas anderes erwartet habe, will ich einräumen: Man kann es so machen, wie er es gemacht hat. Als positiv und angenehm habe ich empfunden, dass er Zitate, die er mir zugeordnet hat, vorher mit mir abgestimmt hat und dass Korrekturwünsche von mir respektiert wurden. Was die Rolle der Medien anbelangt, so haben wir über alles gesprochen, was in dieser Hinsicht auch in diesem Beitrag (in diesem hier) zu lesen ist. Leider fand ich davon (fast) nichts in der Zeitung. Ob hier eine Absicht dahinter steckt, vermag ich nicht zu erkennen. Vor diesem Hintergrund und in der Annahme, dass die Zeit halt doch noch nicht reif ist für die Aufarbeitung entscheide ich mich, die Podiumsdiskussion morgen nicht zu besuchen.


GEPLANTE DOKUMENTATION – SPONSOREN MIT KALTEN FÜßE

Ich werde diesen Text ins Internet stellen. Schon 1992 hatte ich vor, irgendwie gegen die meiner Meinung nach unangemessene Berichterstattung diverser Medien gegenzuhalten, indem ich eine Dokumentation zu „Lichtenhagen 1992“ veröffentliche. Der Entwurf liegt noch immer in meiner Schublade. Eine stattliche Materialsammlung. Damals hatte ich die Zustimmung des (damaligen) Chefredakteurs, auch das Material der Zeitung verwenden zu dürfen. Nur wollte die Zeitung – aus welchen Gründen auch immer – nicht als Herausgeber oder Mitherausgeber fungieren. Die Zustimmung war unter dem Vorbehalt gegeben worden, dass dies ein privates Projekt von mir sei. Die Finanzierung wollte ich über Sponsoren erwirken, denn ich selbst hatte nicht das Geld, und die Druckkosten wären für mein Verständnis damals unterirdisch hoch gewesen. Von Hafen bis Gebäudewirtschaft/Wiro hatte ich acht oder zehn Unternehmen angesprochen und angeschrieben. Mit zunächst positiver Resonanz. Dass es die Veröffentlichung dann aber doch nicht gab, hängt damit zusammen, dass Sponsoren, die bereits zugesagt hatten, ihre Zusagen zurückzogen. Schlicht aus Angst, mit Lichtenhagen in Verbindung gebracht zu werden.

Ich trage mich mit dem Gedanken, dies 25 Jahre danach nachzuholen. Freilich mit einem veränderten Konzept. Dieser Text hier könnte ein Baustein beziehungsweise die Grundlage dafür sein.


MEIN BLICK ZURÜCK

Inzwischen dürfte es in breiten Kreisen der Gesellschaft Einvernehmen in der grundsätzlichen Bewertung der Geschehnisse von damals geben. In Einzelheiten, so wird mir in diesen Tagen wieder bewusst, differieren Erinnerungen und Einordnungen. Das ist aber, denke ich, normal. Zu unterschiedlich die Blickwinkel, zu unterschiedlich individuelles Erleben.

Für mich stellt Lichtenhagen 1992 ein gesamtgesellschaftliches Versagen dar. Ein Versagen der Politik sowie der Ordnungs- und Sicherheitskräfte. Ein Versagen der Zivilgesellschaft. Eine unzureichend mit Regeln, Zuständigkeiten und Mitteln ausgestattete Asylpolitik überforderte nicht nur Rostock – in der Folge auch weitere Städte in Deutschland. Es gab, wie wir wissen, auch in anderen Städten eine zunehmende Zuspitzung vergleichbarer Spannungen und Übergriffe auf Heime und Personen.

Doch vor Lichtenhagen gab es keine derartigen Eskalationen. Es gab keine Erfahrungen, nicht im Westen, schon gar nicht im Osten. Weder Polizei noch Kommunal-, Landes- oder Bundespolitik waren vorbereitet, hatten einen Plan für den Umgang mit Derartigem. Ebenso nicht die Medien.

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob es richtig ist, einfach zu sagen, so etwas könne in Lichtenhagen nicht mehr passieren. In einer Zeit, in der Rechtspopulismus aus allen Ecken und Löchern kriecht und die klassischen Medien sich in der größten Glaubwürdigkeitskrise befinden, an die ich mich erinnern kann, erscheint mir die These vom in Stein gemeißelten „Nie wieder; es wird nie wieder geschehen“ ähnlich wacklig wie die Demokratie insgesamt. Dieses Wort in Gottes Gehör, möchte ich sagen. Von den Medien wünsche ich mir eine ganz besondere Sensibilität im Umgang mit dem Thema. Verwundert bin ich, dass Lichtenhagen 25 Jahre nach den Ereignissen (zumindest in meiner Wahrnehmung) quantitativ eine größere Rolle spielt als in den Augusttagen 1992. Erinnern ja, aber bitte dabei auch das rechte Maß finden. Zur Qualität der Aufarbeitung möchte ich nichts sagen. Nutzt dieses Thema bitte nicht, um irgendwelche Sommerlöcher zu stopfen! Und haut nicht immer und immer wieder auf DIE Lichtenhäger drauf. Mein Wunsch: Geht bitte beim Gedenken an dieses schlimme Rostocker Kapitel verantwortungsvoll damit um! Seid wachsam und lasst so etwas nie wieder zu!

Lichtenhagen war und ist für mich vor allem ein lebenswerter Ort, nur einen Steinwurf weit von der Ostsee entfernt, ein Stadtteil Rostocks mit hoher Wohnqualität und liebenswerten Einwohnern. Dass es unter ihnen auch heute noch Chaoten, Nazis, Verwirrte usw. gibt, kann niemand wirklich ausschließen – wie auch anderswo nicht. Schaut nicht einfach weg, wenn diese grölen, pöbeln, provozieren. Stellt euch dagegen, organisiert gegebenenfalls Hilfe. Seid wachsam und wehret den Anfängen!


Version 22. August 2017






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